|
Erfolgreicher 1. Saarländischer Fachärztetag am 17.03.2007 10 Jahre nach Gründung des Facharztforums Saar (12.3.1997) wurde mit dem 1. Saarländischen Fachärztetag eine eigene Plattform zur Positionierung der niedergelassenen Fachärzte in ihrer zentralen Rolle im Gesundheitswesen geschaffen. Erfreulich zahlreich drängten sich am Samstag, den 17.03. niedergelassene Fachärzte, Kliniker und Vertreter der gesundheitspolitischen Öffentlichkeit in den Festsaal des Saarbrücker Schlosses. In seiner kurzen Eröffnungsrede erläuterte der Fortbildungsreferent und Organisator des Fachärztetages, Dr. Claus Mertz, das Thema der Veranstaltung „ Der niedergelassene Facharzt an der Schnittstelle von Klinik und Praxis“. Danach begrüßte der Ehrenvorsitzende des FAFS, Dr. Jörg Marzen viele Ehrengäste, an erster Stelle den Minister für Justiz, Gesundheit und Soziales, Herrn Josef Hecken.
Nach Grußworten des Ärztekammerpräsidenten SR Dr. Franz Gadomski und des Vorstandsvorsitzenden der KVS Dr. Gunter Hauptmann folgte eine sehr sachkenntnisreiche, rhetorisch gut angelegte und engagiert vorgetragene Stellungnahme des Ministers zum Thema. In seiner Rede ermutigte Minister Hecken uns Fachärzte zum intensiveren Dialog mit ihm und seinem Ministerium, wo man offene Ohren für die fachärztlichen Belange der Niedergelassenen erwarten dürfte. Die Hausärzte seien schon recht gut aufgestellt, seitens der Fachärzte gäbe es noch kein einheitliches Konzept. Dr. Dirk Jesinghaus, Vorsitzender des Facharztforums ging in seinem Bericht zu Lage auf die Stellung des niedergelassenen Facharztes im Gesundheitswesen ein, griff die Problematik der MVZ und integrierter Verträge auf, speziell ihre Auswirkung auf die fachärztliche Praxis.
Das wissenschaftliche Programm begann mit dem Referat von Dr. Anton Hümpfner, Internist aus Saarbrücken. Er ging in seinem Vortrag auf die zentrale Position des niedergelassenen Facharztes im interdisziplinären, ambulanten und stationären Verbund ein. Er gab einen umfassenden Überblick über die etablierten und im Aufbau befindlichen Netzwerke zwischen (fach-)ärztlichen Leistungserbringern. Er schilderte anschaulich die Vorzüge des niedergelassenen Facharztes der Gegenwart gegenüber Leistungserbringern in Klinikambulanzen / Polikliniken. In der Zusammenfassung seiner Ausführungen bezeichnet er den niedergelassenen Facharzt als „flexiblen Wandlungskünstler“, als idealen „Joker“ zur Lösung von Schnittstellenproblemen, ein Auslaufmodell sei er keineswegs, wie von manchen Seiten gerne behauptet wird.
Dr. Georg Jakobs, internistischer Onkologe aus Saarbrücken, forderte in seinem Referat „Sektorübergreifende Kooperation statt Konkurrenz“ die selbstbewusste Neupositionierung des niedergelassenen Facharztes, die Definition der fachärztlichen Kompetenzen bei Einbeziehung von stationären Leistungserbringern. Als selbstständiger, hochkompetenter und spezialisierter Facharzt steht er allen medizinischen Partnern als attraktiver Kooperationspartner zur Verfügung.
Dr. Percy Brandner, Frauenarzt aus Saarbrücken, resümierte in seinem engagierten Vortrag „Vom Einweiser zum Erbringer - neue Aufgaben für den niedergelassenen Frauenarzt“, dass trotz zweier fachärztlicher Schienen keine doppelte Versorgung herrsche, sondern vielmehr ein fairer Wettbewerb um und für das beste Wohl der Patientinnen. Für den Niedergelassenen spricht die wohnortnahe Betreuung, die konsequente Umsetzung „ambulant vor stationär“, die im Vergleich zu den Kliniken niedrigeren Kosten und die Gewährleistung des Facharztstandards zu 100%.
Über Qualitätssicherung und Risiko-Management sprachen Herr Hans Joachim Backes, Vorsitzender der Saarländischen Krankenhausgesellschaft ( Risikomanagement ) und Dr. Scheu, MBA Caritasträgergesellschaft Saarbrücken (Qualitätsmanagement). Das Institute of Medicine in den USA befasst sich mit der systematischen Untersuchung medizinischer Fehlbehandlungen und publizierte 2000 Ergebnisse unter dem Titel „To err is human“. Es legte damit die Grundlagen für eine intensive und weltweite Beschäftigung mit dem Thema Risikomanagement und Fehlerprävention. Zu Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung sind Praxen und Kliniken gleichermaßen verpflichtet, hier, so Dr. Scheu, sollten die Aktivitäten sinnvoll koordiniert werden und niedergelassene Fachärzte und klinische Einrichten zusammenarbeiten.
Mit einer innovativen Untersuchungsmethode am Auge, der Ophthalmodynamometrie und seiner interdisziplinären Bedeutung befasste sich Dr. Bernhard Loew, Augenarzt aus Völklingen. An einigen eindrucksvollen Fällen demonstrierte er die singuläre Leistungsfähigkeit dieser Methode, die neben der Blutdruck- auch die Venendruckmessung am Auge ermöglicht. Pathologische Werte können früher Hinweis auf krankhafte Veränderungen auf nicht augenärztlichen Fachgebieten sein.
Prof. Dr. Harry Derouet, Urologe und Androloge aus Neunkirchen, erzählte vom Märchen der doppelten Facharztschiene und zeigte dies am Beispiel einer urologischen Gemeinschaftspraxis auf. Die Vorteile der ambulanten onkologischen Betreuung wurden am Harnblasenkarzinom dargelegt, welches aufgrund der Rezidiv- und Progressionsneigung die teuerste onkologisch - urologische Erkrankung ist. Eine Gegenüberstellung der ambulanten, belegärztlichen und Klinikbehandlung zeigt eindeutig die klare Wettbewerbsverzerrung zu ungunsten der niedergelassenen Urologen bei deutlich niedrigeren Kosten für die Krankenkassen.
Die Festrede von Prof. Pateisky, Leiter der Abteilung Klinisches Risikomanagement der Universitätsfrauenklinik Wien, über „Risikomanagement in der Arztpraxis“ war nicht nur inhaltsvoller Vortrag, sondern durch die reiche Bebilderung mit eindrucksvollen Beispielen ein Leckerbissen für die am Nachmittag etwas reduzierte Zuhörerschaft. Die Erfahrung eines Flugkapitäns von Austrian Airline, der über fundierte Kenntnisse des in der Luftfahrt schon lange ausgefeilten Fehlermanagements verfügt, macht sich Prof. Pateisky zur Umsetzung in die medizinische Praxis zunutze. In seinem fesselnden Referat wies er eindringlich auf die zwingende Notwendigkeit hin, dass sich Kliniken und Praxen mit Risikomanagement intensiv befassen müssen. Der 1. Saarländische Fachärztetag endete wie geplant um 16.30 Uhr. In seinen Schlussworten bedankte sich Dr. Jesinghaus bei allen Beteiligten und kündigte den nächsten Fachärztetag für den 8. März 2008 an. Unbedingt schon vormerken!
Dr. Claus Mertz, Fortbildungsbeauftragter Facharztforum Saar
[zurück] |